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Schmetterlingsmücken & Bekämpfung Schmetterlingsmücken

Schmetterlingsmücken tragen ihren Namen zu Recht. Mit ihrer pelzigen Oberfläche und den breiten Flügeln wirkt so ein Tier fast wie ein Nachtfalter im Miniaturformat. Von schräg oben betrachtet ergibt der Körperumriss zudem oft eine leichte Herzform. Daher stammt der volkstümliche Name Herzmücke.

Im Alltag begegnen einem noch weitere Bezeichnungen, und jede verrät etwas über den Ort des Auftretens. «Abortfliege» und «Abtrittsfliege» erinnern an alte Toiletten und Aborte, wo die Tiere früher häufig sassen. «Gullymücke» verweist auf den Bodenablauf, den Gully, als typische Kinderstube. Gemeint ist immer dieselbe Insektenfamilie.

Dass diese Tiere «Mücken» heissen, sorgt oft für Verwirrung. Denn mit den stechenden Plagegeistern lauer Sommerabende haben sie wenig gemein. Das Wort «Mücke» steht in der Biologie für eine ganze Grossgruppe zierlicher Zweiflügler, die Nematocera. Zu dieser Gruppe zählen viele Familien, darunter die Stechmücken, die Trauermücken und eben die Schmetterlingsmücken. Verwandt sind sie also durchaus, vergleichbar mit entfernten Cousins in einer grossen Familie. Ihre Lebensweise aber könnte kaum unterschiedlicher sein.

Schmetterlingsmücken in der Schweiz: Lebensraum und Vorkommen

In der Schweiz sind Schmetterlingsmücken vor allem ein Thema in Gebäuden. Draussen in der Natur leben viele Arten unauffällig in feuchtem Laub, an Tümpeln oder in Sumpfgebieten. Bemerkt werden sie dort kaum. Zum Problem werden sie erst, wenn sie in unsere Wohnräume vordringen. Und das tun sie über einen Weg, den kaum jemand vermutet: das Rohrsystem.

Der Grund liegt in ihrer Lebensweise. Schmetterlingsmücken brauchen für ihren Nachwuchs keinen See und keinen Teich. Ihnen genügt der feuchte, schmierige Belag, der sich in wenig genutzten Abflüssen bildet. Genau solche Bedingungen finden sie in Schweizer Häusern das ganze Jahr über. In beheizten Innenräumen kennen die Tiere deshalb keine Winterpause. Während ihre Artgenossen im Freien auf den Frühling warten, pflanzen sie sich drinnen unbeirrt weiter fort.

Besonders anfällig sind selten benutzte Abläufe. Der Bodenablauf im Keller, die Dusche im Gästebad, der Ausguss in der Waschküche: Überall dort, wo Wasser nur ausnahmsweise fliesst, kann sich ungestört ein Belag aufbauen. Auch ältere Liegenschaften mit verzweigten Leitungen bieten viele solcher Nischen. Nach längerer Abwesenheit, etwa nach den Ferien, ist der Befall darum oft am stärksten.

Ein Detail sollte man ernst nehmen. Tauchen Schmetterlingsmücken plötzlich in grosser Zahl auf, kann das auf ein bauliches Problem hindeuten. Ein Riss in einer Abwasserleitung oder eine undichte Verbindung schafft genau den feuchten, nährstoffreichen Ort, den die Larven lieben. Die Mücken sind dann nicht nur lästig, sondern auch ein Warnsignal. Es lohnt sich, der Ursache nachzugehen.

Wie viele Arten der Schmetterlingsmücken in der Schweiz genau vorkommen, ist für den Alltag zweitrangig. Die Familie der Schmetterlingsmücken ist gross, und alleine europaweit sind über 500 Arten bekannt. Allerdings suchen nur wenige dieser Arten die Nähe des Menschen und sorgen in Bad und Küche für Ärger.

In der Praxis genügt es, sich eines zu merken. Schmetterlingsmücken sind Mücken, auch wenn sie ganz anders aussehen als die Stechmücken. Weil sie aber woanders leben und sich vermehren, müssen sie auch anders bekämpft werden als alle übrigen Mücken.

Arten Schmetterlingsmücken in der Schweiz

Von den vielen Arten weltweit sind es nur wenige, die regelmässig in Schweizer Gebäuden auftauchen. Die Familie der Schmetterlingsmücken umfasst weit mehr Gattungen und Arten, von denen die meisten unauffällig in der Natur leben und dem Menschen nie begegnen.

Für den Alltag lassen sich die relevanten Tiere in zwei Gruppen ordnen. Auf der einen Seite stehen die kleinen, unscheinbaren Psychoda-Arten, die klassischen Abort- und Abtrittsfliegen. Auf der anderen Seite steht ein grösserer, auffälligerer Vertreter: die Badezimmerfliege. So verschieden sie im Detail aussehen, sie teilen denselben Lebensraum, nämlich den feuchten Belag im Abfluss.

Badezimmerfliege (Gemeine Schmetterlingsmücke)

Die Badezimmerfliege ist der auffälligste Vertreter und der, den die meisten Menschen vor Augen haben. Mit rund 2,5 bis 5 Millimetern ist sie die grösste der häufigen Innenraum-Arten und entsprechend gut zu sehen. Ihre spitz zulaufenden Flügel tragen am Rand feine helle Punkte, was ihr den lateinischen Namen albipunctata, «weiss gepunktet», eingebracht hat. Der Körper wirkt grau-braun und stark behaart. Tagsüber sitzt sie oft reglos an Wänden, Fliesen oder Spiegeln, meist ganz in der Nähe eines Abflusses. Fliegen ist nicht ihre Stärke. Stört man sie, hüpft sie nur kurz auf und landet gleich wieder.

Ursprünglich stammt sie aus wärmeren, mediterranen Gefilden. Mit beheizten Gebäuden und einem milderen Klima hat sie sich weit nach Norden ausgebreitet und ist heute in Mitteleuropa fest etabliert. Als typische Bewohnerin von Bädern und Gebäuden wird sie auch in Spitälern regelmässig angetroffen. Dort schaut man besonders genau hin, denn auf ihrem dicht behaarten Körper kann sie Keime aus dem Abwasser mit sich tragen.

Für die Schädlingsbekämpfung ist sie die wichtigste der drei Arten. Sie löst die meisten Meldungen aus, und in hygienisch heiklen Bereichen wie Spitälern oder Lebensmittelbetrieben gilt sie als ernstzunehmendes Hygienerisiko. Beseitigen lässt sie sich nur an der Quelle im Abfluss, niemals am fliegenden Tier.

Abtrittsfliege

Die Abtrittsfliege ist eine der kleinen, klassischen Schmetterlingsmücken. Mit rund 1,5 bis 3 Millimetern ist sie deutlich zierlicher als die Badezimmerfliege und dunkel gefärbt. In Ruhe ergibt ihr Umriss die charakteristische Herzform, die der Herzmücke ihren Namen gab. Wegen ihrer geringen Grösse wird sie leicht übersehen, kann aber in erstaunlicher Zahl auftreten. Sie lebt nicht nur im Haus, sondern ebenso im Freien, überall dort, wo es feucht ist und organisches Material zersetzt wird. In Mitteleuropa ist sie verbreitet und häufig.

Eine Besonderheit macht diese Art über die Innenräume hinaus interessant. Sie gilt als wichtiger Bestäuber des Gefleckten Aronstabs, einer heimischen Waldpflanze. Deren Blütenstand nutzt einen Trick: Er ahmt den Geruch fauliger, feuchter Brutstätten nach und lockt so die eierlegenden Weibchen an. Ein Beispiel dafür, wie eng Insekt und Pflanze zusammenspielen können.

Für die Bekämpfung ist vor allem ihre Winzigkeit entscheidend. Fliegengitter halten sie kaum auf, weil sie durch feinste Ritzen schlüpft. Wirksam ist deshalb nicht das Aussperren, sondern das Beseitigen der Brutstätte im Abfluss.

Abortfliege (Psychoda grisescens)

Die Abortfliege ist eine weitere kleine Art aus derselben Gattung. Ihre Flügel messen nur etwa anderthalb Millimeter, der Körper ist bräunlich-grau, und auch sie trägt feine helle Punkte am Flügelrand. Ihren wenig schmeichelhaften Namen verdankt sie den Orten, an denen man sie früher besonders häufig fand: Toiletten und Aborte. Wie ihre Verwandten entwickelt sie sich im feuchten Belag von Abläufen und Rohren und ist in der Schweiz häufig anzutreffen.

Interessant ist eine Beobachtung aus jüngerer Zeit. Wo heute intensiver und häufiger desinfiziert wird, geht diese Art mancherorts zurück, weil ihr die nötigen Brutstätten fehlen.

Genau darin liegt die Lehre für die Bekämpfung. Der Rückgang zeigt anschaulich, was gegen alle Schmetterlingsmücken hilft: Wer der Larve ihren Nährboden entzieht, nimmt der ganzen Plage die Grundlage. Nicht das Gift entscheidet, sondern die Sauberkeit im Rohr.

Tier- und Artenschutz

Anders als etwa Wildbienen, Hornissen oder Fledermäuse, die unter Schutz stehen und nicht ohne Weiteres angetastet werden dürfen, geniessen Schmetterlingsmücken keinen besonderen rechtlichen Schutz, weder in der Schweiz noch in der EU. Sie gelten als Hygieneschädlinge und dürfen bekämpft werden. Wer im eigenen Haushalt Schmetterlingsmücken entfernt, muss also nichts befürchten.

Anders sieht es aus, sobald ein Fachbetrieb gewerblich tätig wird. Dann greift die schweizerische Biozidprodukteverordnung (VBP, SR 813.12). Sie regelt, welche Mittel gegen Schädlinge eingesetzt werden dürfen und wie. Fachbetriebe brauchen dafür eine Fachbewilligung, also einen amtlichen Befähigungsnachweis. Das stellt sicher, dass Wirkstoffe fachgerecht dosiert und umweltschonend angewendet werden.

In der Praxis spielt diese Frage bei Schmetterlingsmücken aber ohnehin eine untergeordnete Rolle. Denn die wirksamste Methode kommt fast ohne Chemie aus. Im Vordergrund stehen integrierte, möglichst biozidarme Verfahren, die an der Ursache im Abfluss ansetzen. Ein Grundsatz, der gerade bei diesen Tieren besonders gut passt, wie der folgende Bekämpfungsteil zeigt.

Schädlingsbefall von Schmetterlingsmücken vorbeugen

Die beste Bekämpfung ist die, die gar nicht nötig wird. Und Vorbeugen ist bei Schmetterlingsmücken erstaunlich einfach, weil es an einem einzigen Punkt ansetzt: der Sauberkeit im Abfluss. Wer den Larven ihren Nährboden nimmt, nimmt der Plage die Grundlage.

Reinigen und spülen Sie Siphons, Abläufe, Überläufe und Toiletten regelmässig. So entfernen Sie den schmierigen Belag, von dem die Larven leben, bevor er sich überhaupt aufbauen kann. Beseitigen Sie dabei Haar-, Fett- und Seifenreste, denn genau diese bilden die Nahrungsgrundlage im Rohr.

Besondere Aufmerksamkeit verdienen selten benutzte Abläufe. Der Bodenablauf im Keller oder die Dusche im Gästebad trocknen selten ganz aus, sammeln aber ungestört Belag. Ein wöchentliches Durchspülen mit heissem Wasser genügt hier oft schon. Reparieren Sie zudem undichte oder defekte Leitungen zügig, denn jede feuchte Stelle ist ein möglicher Brutplatz.

Nach längerer Abwesenheit, etwa nach den Ferien, lohnt sich ein bewusstes Durchspülen aller Abläufe. In Betrieben gehören Bodenabläufe, Fettabscheider und Kondensatwannen in den festen Reinigungsplan.

Schmetterlingsmücken und Befall von Schmetterlingsmücken erkennen

Bevor man bekämpft, muss man zwei Dinge klären: Handelt es sich wirklich um Schmetterlingsmücken, und wo genau sitzt die Quelle? Beides lässt sich mit einfachen Mitteln herausfinden.

Das deutlichste Zeichen sind die erwachsenen Tiere selbst, die reglos an Wänden, Decken oder Fliesen sitzen, fast immer nahe einem Abfluss. Weil sie schlechte Flieger sind, entfernen sie sich kaum von ihrem Ursprungsort. Genau das macht sie zum Wegweiser.

Um die betroffene Stelle sicher zu bestimmen, hilft ein einfacher Test: Stellen Sie über Nacht einen durchsichtigen, innen leicht eingefetteten Becher verkehrt über den verdächtigen Ablauf. Schlüpfen dort Tiere, bleiben sie am Fett haften, und die Quelle ist entlarvt. Da nicht jeden Tag gleich viele Tiere schlüpfen, wiederholen Sie den Test am besten über zwei bis drei Nächte.

Verwechseln Sie Schmetterlingsmücken nicht mit ähnlichen Plagegeistern. Fruchtfliegen sind gedrungener, haben oft rote Augen und sitzen an gärendem Obst. Trauermücken sind schlank und stammen aus feuchter Blumenerde, nicht aus dem Abfluss. Buckelfliegen wiederum laufen ruckartig, statt zu hüpfen. Die Unterscheidung ist wichtig, weil jede dieser Arten anders bekämpft wird.

Schmetterlingsmücken bekämpfen

Ist die Quelle gefunden, folgt die eigentliche Bekämpfung. Und hier gilt eine einzige, entscheidende Regel: Das Ziel ist nicht das fliegende Tier, sondern der Belag, in dem seine Larven leben.

Erwachsene Tiere zu erschlagen oder wegzusaugen bringt bestenfalls kurzfristig Ruhe, denn aus der Brutstätte schlüpft sofort die nächste Generation nach. Ebenso wenig hilft es, Insektizide in den Abfluss zu giessen. Sie erreichen die geschützt im Belag lebenden Larven kaum und entfernen vor allem nicht deren Nahrungsgrundlage.

Der wirksame Weg ist ein anderer und kommt fast ohne Chemie aus. Entfernen Sie den organischen Belag mechanisch aus Rohr und Siphon, etwa mit einer Rohrbürste und reichlich heissem Wasser, bei Bedarf ergänzt durch eine gründliche Spülung.

Ein enzymatischer oder mikrobieller Abflussreiniger unterstützt die Reinigung, indem er den Biofilm biologisch abbaut. Anders als ein Gift zersetzt er genau das Material, das die Larven zum Leben brauchen. Damit kein neuer Belag entsteht, spülen Sie die Abflüsse danach regelmässig.

Bei hartnäckigem, wiederkehrendem oder Befall im ganzen Gebäude stösst die Eigenbehandlung allerdings an ihre Grenzen. Dann sitzt die Quelle oft an schwer zugänglicher Stelle, etwa in einer defekten Leitung unter dem Boden, in einem Fettabscheider oder in einem Pumpensumpf. Hier lohnt sich der Fachbetrieb, der solche versteckten Brutstätten aufspürt und gezielt beseitigt. UV-Lichtfallen können erwachsene Tiere ergänzend wegfangen und den Befall sichtbar machen, ersetzen aber niemals die Beseitigung der Brutstätte.

FAQs zu Schmetterlingsmücken und zur Bekämpfung von Schmetterlingsmücken

Hier finden Sie informationen zu häufig gestellten Fragen und Problemen.