Lieber Jan, woran erkennst du, dass ein Bettwanzenbefall schon länger besteht?
Die Kotspuren lügen nicht. Je mehr schwarze Punkte ich sehe – an Matratzenrändern, in Ritzen, hinter Bilderrahmen –, desto länger ist der Befall schon aktiv. Und wenn ich dann mit den Betroffenen spreche, kommt fast immer der Moment, in dem jemand sagt: «Wir waren diesen Sommer doch in diesem einen Hotel» oder «Wir haben neulich Möbel auf dem Flohmarkt gekauft.» Den Ursprung findet man eigentlich immer.
Was ist dein extremstes Erlebnis?
(Jan hält kurz inne. Sein Blick verdunkelt sich, während er sich an diesen einen Fall erinnert.)
Ich hatte mal einen Fall, der mich bis heute wirklich beschäftigt. Eine Person hatte über mehrere Jahre einen massiven Befall in der Wohnung – und hat es niemandem gemeldet. Die Bisse wurden vom Arzt fälschlicherweise als Hautausschlag diagnostiziert; niemand dachte an Bettwanzen.
In der Wohnung lebten schliesslich Tausende von Tieren. Die Situation wurde so extrem, dass die Person schlussendlich sogar ins Spital eingeliefert werden musste.
(Jan schüttelt langsam den Kopf, als könnte er es selbst kaum glauben.)
Beim Ausziehen der Kleider im Spital entdeckte der Arzt Bettwanzen an der Kleidung. Die wahre Ursache war damit schlagartig klar – und wir erhielten den Auftrag.
Als ich die Wohnung betrat ...(er macht eine kurze Pause, ringt sichtlich um Worte,)... das war unvorstellbar. Die Wohnung musste von einem Räumungsunternehmen vollständig geleert werden. Sechs Monate lang haben wir intensiv behandelt, bis keine einzige Wanze mehr da war. In dieser Zeit kamen über 1000 Wanzen allein aus den Wänden und dem Schrägdach! Die reinen Behandlungskosten beliefen sich auf rund CHF 7'000. Dazu kamen die komplette Möbelentsorgung und die enorme psychische Belastung für die betroffene Person. Das zeigt einfach: Abwarten macht es am Ende nur teurer und schlimmer.
Wo verstecken sich Bettwanzen am liebsten?
Der klassische Ort ist natürlich rund ums Bett: Matratze, Lattenrost, Bettgestell und die Wand dahinter. Aber ich habe Wanzen auch schon in Steckdosen gefunden, hinter Bilderrahmen, zwischen Buchseiten, in Sofas und sogar in Kinderspielzeug. Wer glaubt, Bettwanzen beschränken sich aufs Schlafzimmer, der irrt gewaltig..
Was machen die Leute falsch, wenn sie versuchen, das Problem selbst zu lösen?
Der häufigste Fehler ist der Griff zum Insektenspray aus dem Supermarkt. Das tötet vielleicht die Tiere die man direkt trifft – aber die Eier überleben trotzdem, und die versteckten Kolonien in Ritzen und Hohlräumen sowieso. Schlimmer noch: Durch das Spray treibt man die Wanzen oft nur noch tiefer in die Wände und in die Nachbarräume. Wenn wir danach aufgeboten werden, ist der Befall meist viel schwieriger und aufwendiger zu bekämpfen als ohne diese Do-it-yourself-Vorbehandlung.
Ab wann sollte man den Profi rufen?
Es gibt kein «zu früh». Bei jedem Verdacht – und sei es nur ein einzelner, juckender Stich oder ein winziger, verdächtiger Punkt auf dem Leintuch – empfehle ich, sofort anzurufen. Ich arbeite auch mit einer Spürhundeführerin zusammen. Die Hunde riechen einen Befall, lange bevor wir Menschen ihn sehen können. Das ist besonders wertvoll bei einem beginnenden Befall oder zur abschliessenden Kontrolle nach einer Behandlung.
Wie verhältst Du Dich im Hotel und auf was achtest Du wenn Du nach Hause zurückkehrst ?
Nach der Rückkehr: Den Koffer am besten gleich auf dem Balkon oder im Keller auspacken. Die Kleidung direkt in die Waschmaschine – ohne Zwischenlagerung im Wäschekorb oder in der Waschküche. Und im Hotel selbst: Bett und Bettgestell gründlich auf Kotspuren prüfen, bevor man sich zum ersten Mal hinlegt. Das dauert zwei Minuten und kann monatelangen Ärger ersparen. Kleine dunkle Punkte am Matratzenrand oder am Lattenrost – das ist das absolute Warnsignal. Und: Den Koffer niemals direkt neben oder unter das Bett stellen.
Jan’s Fazit für alle Betroffenen:
Bettwanzen sind kein Zeichen von mangelnder Hygiene – sie sind einfach erstklassige Reise-Souvenirs. Aber das obige Extrembeispiel zeigt: Falsche Scham oder langes Abwarten gefährden irgendwann die Gesundheit und treiben die Kosten massiv in die Höhe. Ein Anruf beim Schädlingsbekämpfer beim ersten Verdacht schützt vor dem Schlimmsten.
