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Vogelabwehr vor der Schonzeit: „Haben sich Vögel eingenistet, ist es für ein Eingreifen zu spät.“

Die Nistsaison steht vor der Tür, und während die meisten Gebäudeverantwortlichen noch an Heizkosten und Winterschäden denken, halten Tauben, Spatzen und andere Vögel längst Ausschau nach möglichen Nistplätzen. Sie merken sich warme, geschützte und ungestörte Orte, wo sie das Nest für ihre Brut bauen können. Und ja, oft sind das Orte, die Laien nicht auf dem Radar haben.

René Ghenzi leitet das Vogelabwehr-Team bei Anticimex Schweiz. Mit über 5 Jahren Erfahrung in der Vogelabwehr – und einem ganzen Berufsleben im Baugewerbe davor – beobachtet er, wie Vögel Gebäude erobern und wie Hauseigentümer und Liegenschaftenverwalter die frühen Warnsignale regelmässig übersehen. Im Gespräch erklärt er, worauf es JETZT ankommt, bevor das Zeitfenster sich schliesst und man monatelang zusehen muss, wie aus einem anfänglich kleinen Problem kostspielige Schäden werden.

Warum Vogelabwehr im Winter beginnt, und nicht im Frühling

Vogelabwehr beginnt im Winter, weil Tauben und Spatzen bereits im Januar und Februar potenzielle Nistplätze erkunden. Wer bis zum Frühjahr wartet, verpasst das Zeitfenster. Denn ab März greift die vorschriftsgemässe Schonzeit, und aktive Vogelnester dürfen nicht mehr entfernt werden.

Redaktion (R): René, wir befinden uns mitten im Winter. Ist die Vogelabwehr jetzt überhaupt ein Thema?

René Ghenzi (RG): Das ist genau das Missverständnis, dem wir ständig begegnen. Die meisten denken: Winter, kalt, die Vögel sind an einem anderen Ort im Süden. Aber das Gegenteil ist der Fall. Gegen Ende Winter erwacht bei Vögeln der Fortpflanzungstrieb, und damit beginnt ihre Suche nach Nistplätzen. Gerade jetzt, im Januar und Februar, erkunden Tauben und Spatzen potenzielle Orte und prüfen, ob diese geeignet sind. Finden sie einen passenden Platz, kehren sie Jahr für Jahr dorthin zurück.

R: Was macht einen Ort attraktiv für Vögel zum Einnisten?

RG: Das hängt von der Vogelart ab. Ein Storenkasten an einer Südwand? Perfekt für Spatzen: klein, zugänglich, genau die richtige Grösse. Der Hohlraum unter einer Photovoltaikanlage? Wie eine künstliche Höhle für Tauben: trocken, windgeschützt, durch die Module sogar gewärmt. Stadttauben stammen ursprünglich von Felsentauben ab, die in Höhlen brüteten. Ein Dachbalken über einem selten genutzten Hintereingang? Ideal für Kleinvögel und Tauben. Die Vögel finden diese Orte zuverlässig, auch wenn wir Menschen sie komplett übersehen.

R: Kann man das Problem nicht einfach im Frühjahr angehen, wenn die ersten Verschmutzungen sichtbar werden?

RG: (lacht) Das höre ich oft. Aber wenn im April die ersten Verschmutzungen sichtbar werden, sind die Nester längst gebaut und die ersten Eier gelegt. Dann greift der gesetzliche Schutz. Wer im Frühjahr «aufräumen» will, kommt schlicht zu spät und muss zusehen, wie die Vogelpopulation wächst.

R: Welches ist der richtige Zeitpunkt um Vogelbefall rechtzeitig zu verhindern?

RG: Das Zeitfenster für präventive Massnahmen ist jetzt im Winter bis Ende Februar. Danach ist ein Eingreifen rechtlich verboten. Eine oft nicht bekannte, aber wichtige Einschränkung: Ein aktives Nest – mit Eiern oder Jungtieren – darf nie entfernt werden, egal ob innerhalb oder ausserhalb der offiziellen Schonzeit. Das ist Tierschutzgesetz, keine Ermessenssache.

Die 4 Warnsignale für Vogelbefall, die oft übersehen werden

Die meisten Warnsignale für Vogelbefall sind subtil und werden als Zufall abgetan. Dabei zeigen sie präzise an, wo Vögel zu nisten planen, vorausgesetzt man weiss, worauf man achten muss.

R: Woran erkenne ich, bevor es zu spät ist, dass Vögel auf meinem Gebäude nisten wollen?

RG: Es gibt vier typische Anzeichen für drohenden Vogelbefall. Das erste: Einzelne Vögel, die immer wieder am gleichen Ort am Gebäude sitzen. Eine oder zwei Tauben auf demselben Fenstersims, regelmässig? Das ist kein Zufall – die Vögel erkunden, ob der Ort zum Nisten taugt. Werden sie nicht gestört, bauen sie dort ihr Nest.

R: Und die anderen drei Warnsignale?

RG: Das zweite ist Nistmaterial an ungewöhnlichen Stellen am Gebäude. Ein paar Zweige auf einem Fenstersims, Federn in einer Ecke, Grashalme unter einem Dachvorsprung. Vögel «deponieren» manchmal Material, um zu testen, ob es weggeräumt wird. Bleibt es liegen, ist das eine Einladung.

R: Das klingt subtil.

RG: Genau, deshalb wird es übersehen. Das dritte Zeichen sind vereinzelte Kotspuren an geschützten Stellen, und zwar nicht die offensichtlichen Verschmutzungen auf dem Balkon, sondern einzelne Spuren an Orten, die niemand kontrolliert: unter Dachbalken, in Nischen, an der Rückseite von Klimageräten.

R: Und das vierte Warnsignal?

RG: Öffnungen am Gebäude, die «schon immer da waren». Ein Spalt am Storenkasten, eine lockere Abdeckung, eine Öffnung unter der Dachrinne. Was früher kein Thema war, wird plötzlich zum Nistplatz, weil Vogelpopulationen sich verschieben, etwa wenn auf dem Nachbardach eine PV-Anlage installiert wurde und die Tauben neuen Unterschlupf suchen.

Problemzonen für Vogelbefall nach Gebäudetyp

Wo sich Vögel einnisten, hängt stark vom Gebäude ab: Was beim Einfamilienhaus der Storenkasten ist, ist beim Gewerbebau oft die Photovoltaikanlage – mit jeweils unterschiedlichem Schadenspotenzial.

R: Warum nisten Spatzen so oft im Storenkasten und Tauben unter der Photovoltaikanlage?

RG: Das hat mit ihrer Grösse und ihren Instinkten zu tun. Spatzen benötigen kleine, enge Hohlräume. Der Storenkasten ist quasi perfekt auf sie zugeschnitten. Tauben stammen von Felsentauben ab, die in Höhlen brüteten. Der Hohlraum unter PV-Modulen ist für sie ein perfektes Ersatzhabitat. Wenn ich ein Gebäude begutachte, weiss ich nach wenigen Minuten, welche Vogelart hier wahrscheinlich das Problem sein wird.

R: Fangen wir beim Einfamilienhaus an.

RG: Da sind Storenkästen der absolute Klassiker. Die Bewohner bemerken das Einnisten der Kleinvögel oft erst, wenn die Storen nicht mehr funktionieren, weil Nistmaterial die Mechanik blockiert. Oder sie bemerken den Vogelbefall, wenn Parasiten aus den Nestern in die Wohnräume gelangen, was sehr unangenehm ist.

R: Und bei Gebäuden mit Solaranlagen?

RG: Der Hohlraum zwischen Modulen und Dach ist der perfekte Unterschlupf für Tauben. Wanderfalken, ihr grösster Fressfeind, können von oben nicht angreifen. Marder kommen von unten auch kaum an die Vögel ran. Dazu sind die Hohlräume von Photovoltaikanlagen trocken und windgeschützt. Aus Sicht einer Taube sind das ideale Bedingungen.

R: Welche Schäden verursachen denn Tauben konkret an einer Photovoltaikanlage?

RG: Der Taubenkot auf den Modulen kann die Leistung der PV-Anlage um bis zu 25 Prozent reduzieren. Nistmaterial kann den Wasserabfluss blockieren, was zu Wasserschäden am Dach und Schimmel zur Folge haben kann. Der säurehaltige Kot greift Kabel und Isolierungen an, was in seltenen Fällen zu Schmorbränden führen kann. Und wenn Tauben etabliert sind, kommen manchmal Marder, die die Nester als Futterquelle entdecken und dabei Kabel anfressen.

R: Wie sieht es bei Gewerbebetrieben aus?

RG: Da geht es um mehr als Gebäudeschutz. Hier geht es um Hygiene und Haftung. Vogelkot kann Krankheitserreger enthalten. Ein Auditor, der Vogelkot in einer Produktionshalle findet, stellt zu Recht unangenehme Fragen. Bei Lebensmittelbetrieben, Hotels oder Pharmaunternehmen können wegen Vogelkot sogar Betriebsbewilligungen auf dem Spiel stehen.

R: Gibt es auch da Bereiche, die besonders oft übersehen werden?

RG: Ja, was ich die «vergessenen Zonen» nenne: Dachbalken, Vordächer, Hintereingänge, all die Bereiche, die nicht zum Hauptbild des Gebäudes gehören. Wir erleben regelmässig, dass Hauswarte den Haupteingang im Blick haben, während der Innenhof längst zum Tauben-Habitat geworden ist.

Was Immobilieneigentümer über Vogelbefall wissen müssen

Wie gefährlich ist Vogelbefall wirklich? Das hängt vom Kontext ab: Vogelkot auf dem Balkon ist lästig, aber selten ein Risiko. Bei Gewerbebetrieben mit Hygienevorschriften wird daraus schnell ein Haftungsthema. Die gute Nachricht: Vieles lässt sich früh erkennen und selbst prüfen.

R: Ist es wahr, dass Vögel Krankheiten übertragen? Besteht hier wirklich eine konkrete Gefahr oder ist diese herbeigedichtet?

RG: Bei Vogelkot besteht immer die Gefahr, dass er gefährliche Erreger wie Salmonellen, Histoplasmose oder Ornithose enthält. Dennoch, für einen gesunden Erwachsenen, der gelegentlich Kot auf dem Balkon wegwischt, ist das Risiko gering und der Alarmismus übertrieben. Kritisch wird es hingegen, wenn grosse Mengen trockener Kot aufgewirbelt und eingeatmet werden, etwa bei Reinigungsarbeiten ohne Schutzausrüstung. Oder eben in Gewerbebetrieben, wo Hygienevorschriften und Audits ins Spiel kommen.

R: Gibt es einen einfachen Selbst-Check, den Immobilieneigentümer und Gebäudeverwalter machen können?

RG: Ja. Wer sich 15 Minuten Zeit nimmt und das Gebäude mit den richtigen Fragen im Kopf abgeht, kann sich Monate Ärger ersparen. Eine erste Frage ist: Wo gibt es Öffnungen, Spalten oder Hohlräume, die Vögeln Unterschlupf bieten könnten? Dann: Wo liegen geschützte Sitzgelegenheiten, besonders an Süd- und Westseiten, und gibt es dort bereits Kotspuren? Und schliesslich: Welche Bereiche werden selten kontrolliert? Damit meine ich Technikräume, Parkhaus-Obergeschosse, Lagerhallen etc. Oft etablieren sich Vögel genau dort, wo niemand regelmässig hinschaut, weil niemand damit rechnet.

R: Ab wann sollte man einen Profi beiziehen, um das Gebäude gegen Vogelbefall zu sichern?

RG: Sobald Nistmaterial sichtbar wird, wiederkehrende Vogelaktivität an derselben Stelle auffällt, oder Zugänge zu Hohlräumen entdeckt werden. Nicht weil man es nicht selbst könnte, sondern weil die Zeit drängt und Fehler teuer werden.

R: Viele Leser werden sich fragen, ob man die Vogelabwehr nicht einfach selbst machen kann. Man kann beispielsweise im Baumarkt Ultraschallgeräte und Spikes kaufen.

RG: Bei Spikes hängt es von der Situation ab. Für einen einzelnen Balkon können solche DIY-Lösungen helfen. Aber die Fehlerquote ist erfahrungsgemäss hoch, weil die Spikes oftmals falsch platziert werden, die Abstände zu gross sind, oder die Vögel einfach einen Meter weiter ausweichen. Ultraschallgeräte setzen wir hingegen nicht ein, und ich würde sie auch niemandem empfehlen. Tauben gewöhnen sich sehr schnell daran. Spätestens wenn die Vögel merken, dass nichts passiert, ist die abschreckende Wirkung vorbei. Das gilt auch für Glitzerspiegel, CDs und Attrappen. Was funktioniert, sind echte Hindernisse: Netze, Spanndrähte, professionell installierte Spikes, und bei hartnäckigen Fällen Elektrosysteme mit leichten Impulsen.

Professionelle Vogelabwehr

Professionelle Vogelabwehr unterscheidet sich grundlegend vom DIY-Ansatz aus dem Baumarkt. René erklärt, worauf es ankommt.

R: Was unterscheidet die professionelle Vogelabwehr von dem, was man selbst als Laie gegen Vogelbefall machen kann?

RG: Der Ansatz. DIY ist meistens reaktiv. Man sieht Tauben und kauft Spikes. Wir setzen früher an, nämlich beim Abdichten der Öffnungen, durch die Vögel überhaupt erst reinkommen. Wer das Gebäude versiegelt, betreibt präventiven Gebäudeschutz. Dieselben Massnahmen, die Tauben fernhalten, verhindern zusätzlich das Eindringen von Wespen und Mäusen. Bei Anticimex sprechen wir von präventiver Schädlingsbekämpfung gemäss IPM (Anmerkung: Integrated Pest Management).

R: Du erwähnst die präventive Schädlingsbekämpfung und wie die Versiegelung des Gebäudes nicht nur Vögel, sondern auch Wespen und Mäuse fernhält. Gibt es noch andere Nebeneffekte einer guten Gebäudeabdichtung?

RG: Das Wichtigste habe ich gesagt. Dennoch gibt's ab und an auch Überraschungen. Ein Facility Manager hat mir einmal erzählt, dass unsere Vogelabwehr, respektive die Abdichtung des Gebäudes, zu spürbaren Einsparungen bei den Heizkosten geführt hat. Das ist ein schöner Nebeneffekt, der jedoch nicht Teil unserer Aufgabe ist. Aber der Zusammenhang ist logisch: Eine Öffnung, die Schädlinge reinlässt, lässt auch Wärme raus.

R: Gibt es bauliche Massnahmen gegen Vogelbefall und Gebäudeschutz, die du besonders häufig empfiehlst oder die besonders wirksam sind?

RG: Ja, auf jeden Fall. Im Kern geht es immer darum, Zugänge zu versperren oder Landeplätze zu eliminieren. Für Spalten und Öffnungen – unter Toren, an Lüftungsgittern, bei Storenkästen – setzen wir je nach Situation Bürstendichtungen, Gummilippen oder Feinmaschennetze ein. Sie würden staunen, durch welch kleine Spalten Spatzen schlüpfen. Bei Hohlräumen wie unter PV-Modulen verwenden wir spezielle Netzsysteme, die den Zugang versperren, ohne die Funktion zu beeinträchtigen. Und dort, wo Vögel gerne sitzen – Fenstersimse, Dachkanten, Gesimse – helfen Spanndrähte oder Spikes. Die Logik ist simpel: Wenn Tauben nirgends landen können, ziehen sie weiter. Bei historischen Gebäuden achten wir natürlich auf optisch unauffällige Lösungen, die das Baudenkmal nicht beschädigen.

R: Was kostet professionelle Vogelabwehr? Und ab wann lohnt sie sich?

RG: Die Kosten lassen sich nicht pauschal sagen. Jede Immobilie ist anders, und wir müssen immer von Fall zu Fall ermitteln, was überhaupt nötig, aber auch möglich ist. Was ich jedoch mit Sicherheit sagen kann: Wer die Folgekosten von Vogelbefall einmal durchrechnet, seien es Ertragseinbussen bei der PV-Anlage, Fassadensanierung wegen Kot-Verätzungen oder Reparaturen an Storen, versteht schnell, dass sich Vorbeugung auch bei der Vogelabwehr rechnet.

R: Zahlt die Gebäudeversicherung überhaupt bei Vogelschäden?

RG: In der Regel nicht, soweit mir bekannt ist. Versicherungen unterscheiden meines Wissens zwischen «unvorhersehbaren Ereignissen» wie Sturm oder Feuer und «allmählichen Schäden». Vogelbefall entwickelt sich tatsächlich über Zeit und kann daher verhindert werden, ist die nachvollziehbare Argumentation der Versicherer. Das gilt auch für Spechtlöcher, Taubenkot-Schäden an Solarmodulen oder verstopfte Abflüsse durch Nistmaterial. Ich empfehle jedoch jedem Immobilieneigentümer, seine Versicherungspolice zu prüfen; und zwar nicht erst nach einem Schadensfall.

R: Gibt es bei der Vogelabwehr und dem Gebäudeschutz einen Unterschied zwischen Privat- und Geschäftskunden?

RG: Nein, eigentlich nicht. Die Massnahmen sind dieselben. Was sich unterscheidet, ist der Druck. Bei Gewerbebetrieben braucht es einen dokumentierten Plan, regelmässige Kontrollen, Nachweise für Audits. Und der Faktor Zeit wiegt schwerer: Wenn wegen Vogelkot Ware kontaminiert wird oder der Betrieb gestört oder sogar unterbrochen werden muss, sprechen wir schnell von Schäden in sechsstelliger Höhe.

R: Wenn Sie Immobilieneigentümern einen einzigen Rat für die kommenden Wochen geben könnten – welcher wäre das?

RG: Gehen Sie mit offenen Augen ums Gebäude. Nicht als Routine, sondern mit der Frage: Wo könnte ein Vogel hier nisten wollen? Sie werden überrascht sein, was Ihnen plötzlich auffällt. Und wenn Sie etwas entdecken: Handeln Sie jetzt, nicht im März. In wenigen Wochen schliesst sich das Zeitfenster für das nächste halbe Jahr.

R: René, vielen Dank für das Gespräch.

RG: Gerne. Wer Fragen hat – wir sind erreichbar, und die Offerte kostet nichts.

Handeln, bevor die Schonzeit beginnt

Die professionelle Vogelabwehr schützt nicht nur Gebäude, sondern respektiert auch die Natur. Anticimex arbeitet ausschliesslich mit tierschutzkonformen Methoden und berücksichtigt alle gesetzlichen Schonzeiten und Artenschutzbestimmungen.

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